IDAHOT – Wo stehen Schweizer LGBTI-Rechte im europäischen Vergleich?

Pünktlich zum IDAHOT veröffentlicht ILGA Europe (International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association) heute das alljährliche Rainbow Europe Package; eine informative Übersicht der Rechtslage von LGBTI-Menschen in Europa.

ILGA verzeichnet damit dieses Jahr nicht nur die Entwicklung der LGBTI-Rechte in Europa, sondern liefert zum ersten Mal konkrete, auf das jeweilige Land abgestimmte Verbesserungsvorschläge.

Diese Hilfestellung scheint bitter nötig.

Denn wie der Report mehr als deutlich macht, ist der Fortschritt zwar vorhanden, aber er bleibt schleppend und ständig bedroht. Grosse Errungenschaften wie aus Frankreich, Italien und Malta prägten die Schlagzeilen, aber die gesamteuropäische Sicht zeigt: Es gibt keinen Anlass, sich zufrieden zurückzulehnen.

Im letzten Jahr rutschte die Schweiz um 2 Prozentpunkte von 33 auf 31% ab und entfernt sich nach einer deutlichen Verbesserung in den Jahren zuvor umso drastischer von den fortschrittlicheren Nachbarn Deutschland (54%), Österreich (56%) und allen voran Frankreich (71%).  Trotzdem sind auch für das letzte Jahr einige Erfolge zu verzeichnen, an denen auch TG NS einen Anteil hatte.

Für das vergangene Jahr lobt der Report unter anderem:

  • die Ausweitung der Stiefkindadoption auf eingetragene Partnerschaften
  • die Ablehnung von Versuchen, die Ehedefinition dauerhaft einzuschränken
  • die produktive Debatte und Reaktion der SRG um den Fall von Transphobie bei Giacobbo/Müller
  • die voranschreitende Öffnung von Blut- und Stammzellspenden für MSM (Männer, die Sex mit Männern haben)
  • die Einrichtung der LGBT-Helpline zur Erfassung von Hassverbrechen

So wichtig und hart erkämpft diese Erfolge waren, konnten sie das Ranking nicht retten. Neben dem weiterhin vergeblichen Warten auf Ehegleichheit und Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare, sorgen besonders das Fehlen von erleichterten Transitionsbedingungen für Transmenschen und eines umfassenden Rechtschutzes gegen Hassverbrechen aufgrund von sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität für einen so tiefen Platz auf der Liste.

 

ILGA empfiehlt daher, konkrete Strategien zur Umsetzung von Schutzmassnahmen gegen Diskriminierung aufgrund von sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität und Geschlechtsmerkmalen zu entwickeln und umzusetzen. Insbesondere wird darauf hingewiesen, dass es nötig sei, in Zusammenarbeit mit der Transgemeinschaft einen gesamtschweizerischen Plan zum Schutz der Menschenrechte der Transbevölkerung zu entwickeln.

Diesen Empfehlungen können wir uns nur anschliessen! TGNS ist gut aufgestellt und wir sind bereit, unseren Anteil an der Planung und Umsetzung dieser wichtigen Ratschläge zu leisten.

 

P.S.: Neben diesen zwiespältigen Informationen bringt der diesjährige IDAHOT auch viel Grund zur Freude: Chelsea Mannings Begnadigung tritt zur Feier dieses Tages heute in Kraft!

Links:

Überblick Schweiz:
https://rainbow-europe.org/#8663/0/0
Rainbow Map Europa:
http://www.ilga-europe.org/sites/default/files/Attachments/rainbow_europe_map_2017.pdf
Länderreport Schweiz:
http://ilga-europe.org/sites/default/files/2017/switzerland.pdf

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