2016 weltweit 295 Transmenschen ermordet

Medienmitteilung, Bern, 17. November 2016

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Am 20. November, dem Transgender Day of Remembrance, gedenken Transmenschen und ihre Freund_innen in aller Welt der Opfer transphober Gewalt. Zwischen dem 1. Januar 2008 und dem 30. September wurden weltweit 2‘264 Transmenschen aufgrund ihrer Geschlechtsidentität ermordet. Allein in den vergangenen 12 Monaten wurden in 33 Ländern 295 Morde an Transpersonen registriert. Diese Zahl bildet nur die Spitze des Eisbergs, denn die Morde müssen von der lokalen Polizei und Organisationen vor Ort als Hassverbrechen registriert worden sein. Die Dunkelziffer der aus Hass ermordeten Transmenschen liegt daher um ein Vielfaches höher.

Ausgrenzung und Diskriminierung in der Schweiz
In der Schweiz berichten sehr viele Transmenschen von täglichen Diskriminierungen wie Verspotten, Beschimpfen sowie körperlichen Angriffen. Oft werden sie von Ärzt_innen und Behörden in ihrem Trans*-Sein nicht ernstgenommen. „Hinzu kommt bei vielen die Abwendung der Familie bzw. Partner_in oder der Verlust des Arbeitsplatzes bei einem Coming-out. Diese Situation ist nicht nur psychisch schwer zu bewältigen, sondern kann zusätzlich zu einem gesellschaftlichen Abstieg führen“, fügt Henry Hohmann, Präsident von Transgender Network Switzerland.

Projekt mit Queeramnesty
Um die Gesellschaft für diese Vorfälle zu sensibilisieren, haben Transgender Network Switzerland und Queeramnesty Schweiz aus Anlass des Transgender Day of Remembrance eine Broschüre und eine Website erstellt. In ihr kommen vier Personen zu Wort, die selber unter Transfeindlichkeit leiden oder litten. „Die Geschichten von Maria, Matt, Lars und Francesca zeigen wie wichtig es ist, Diskrimierungen im Alltag zu thematisieren und sichtbar zu machen. Staatliche Institutionen und die Zivilgesellschaft sind beide gleichermassen gefordert.“ sagt Thomas Vinzenz, Gruppenleiter von Queeramnesty Schweiz. Unter diesem Link können die Erlebnisse nachgelesen werden.

Offiziell gibt es keine transphobe Gewalt
Transphobe Diskriminierung und Gewalt werden – anders als etwa rassistische Gewalt – in der Schweiz nicht offiziell registriert. Die neu lancierte LGBT+-Helpline soll es nun Transmenschen (aber auch Lesben, Schwulen und bisexuellen Personen) ermöglichen, Hassverbrechen und diskriminierende Vorfälle anonym zu melden. Sämtliche Daten werden statistisch erfasst, damit transfeindliches Verhalten und Strukturen in Zahlen sichtbar werden.

Eine Übersicht zu tödlichen Hassverbrechen an Transmenschen weltweit bietet das Projekt Trans Murder Monitoring

Veranstaltungen zum TDOR
In der Schweiz finden zum Transgender Day of Remembrance am 19. und 20. November in drei Städten Mahnwachen zum Gedenken an die Opfer statt.

  • Bern, 19.11.16, 15:00 – 17:00 Uhr, Kornhausplatz
  • Zürich, 19.11.16, 15:00 – 17:00 Uhr, Limmatquai (Höhe Helmhaus)
  • Genf, 20.11.16, 17:30 – 19:00 Uhr, Rue du Mont-Blanc (zone pietonne).
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